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Jan
07
2013

Stuttgart 21: sind Kostensteigerungen systemimmanent.

Flughafen Berlin Brandenburg, Elbphilharmonie und andere:
Störungen des Bauablaufs sind Anlass der Kostensteigerungen.

Ursachen und Gegenmaßnahmen

Kostenerhöhungen
Mögliche Reaktionen: Verändern der Qualität und / oder der Quantität
Folgen: steigen der Planungskosten, u. U. Rechtsstreit

Bewusst zu nieder angesetztes Kostenskelett
Mögliche Reaktionen: stoppen des Projekts bis zur Vorlage der realen Kosten
Folgen: steigen der Planungskosten, Forderungen Dritter,  Rechtsstreit

Unrealistisches Terminkonzept
Mögliche Reaktionen: stoppen des Projekts bis zur Vorlage der realen Kosten
Folgen: steigen der Planungskosten, Forderungen Dritter,  Rechtsstreit

Trennung der HOAI Phasen
Mögliche Reaktionen: keine, da bewusst herbeigeführt
Folgen: Reibungen bei der Planung, offene und verdeckte Kosten durch das erforderliche Einschalten eines Controllers, u. U. Rechtsstreit

Planungsfehler
Mögliche Reaktionen:  verlangsamen oder stoppen der Planung, u. U. auch der Ausführung
Folgen: offene und verdeckte Kosten, Rechtsstreit

Vertragswirrwarr
Mögliche Reaktionen: Einschalten eines Controllers
Folgen: offene Kosten, ansteigen der verdeckten Kosten, verlangsamen des Ablaufs bis hin zum Stillstand

Anmelden von Bedenken
Mögliche Reaktionen: überarbeiten der Planung, Nachtragsmanagement, einschalten von Gutachtern,
Folgen: Rechtsstreit, offene Kosten, u. U. starker bis zum Stillstand verzögerter Ablauf

Unklarer Bauherrnwille
Mögliche Reaktionen: Klärung durch den Bauherrn
Folgen: Vertragsänderungen bei Planern und ausführenden Firmen (nach Auftragserteilung!)

Generalunternehmerauftrag
Mögliche Reaktionen: Prüfen der Schnittstellen des Vertrags, einschalten eines Juristen
Folgen: Vertragsänderungen, Rechtsstreit

Nichtbeachten der Betriebskosten
Mögliche Reaktionen: Änderung der Planung
Folgen: Rechtsstreit

Unterschiedliche Sprachen
Mögliche Reaktionen: keine, d. h. leben mit den Missverständnissen
Folgen:  keine
 

Konsequenzen

Die Ursachen kommen selten einzeln vor sondern agieren miteinander, so dass eine Trennung unmöglich ist. Sie ist auch nicht erforderlich, da der Effekt immer derselbe ist, der Planungsaufwand schwillt an, die Beteiligten sind verunsichert, die verdeckten Kosten steigen.
Der Gedanke durch verdichtete Entscheidungsabläufe Zeit zu sparen, rückt in den Vordergrund. Er ist aber ein Trugschluss, Denkprozesse lassen sich weder komprimieren noch in Stunden ausdrücken.
Da fast immer Rechtsanwälte, Gutachter und Sachverständige eingeschaltet werden und die Streitbereitschaft anfangs ebenso hoch ist wie der Streitwert, entsteht bei jenen eine Grundauslastung und das Interesse ihre Auftraggeber zu bremsen ist gering.

 

Folgen für die Gesellschaft

Im privatwirtschaftlichen Bereich kann ein ökonomischer Schade bis hin zum Konkurs entstehen. Im öffentlichen Bereich trägt die Last der Steuerzahler und als nicht zu unterschätzender Nebeneffekt – das Vertrauen in die Handelnden geht verloren, die Verdrossenheit über die Politik steigt immer mehr an, zumal wenn der bzw. die Verursacher ungeschoren davon kommen.