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Okt
13
2011

Das Bad wird barrierefrei

Einführung
Gesundheitliche Beeinträchtigung, das Bedürfnis nach mehr Bequemlichkeit oder das herannahenden Alters sind vielfach der Anlass über den zukünftigen (späteren)  Nutzen der Wohnung nachzudenken. Der Raum, dem eine große Bedeutung zukommt und dessen Elemente am stärksten unser Wohlbefinden beeinflussen, ist das Bad  als ein individuelles Rückzugsgebiet, eine Wellness Oase im Kleinen. Um zu prüfen welche Änderungen möglich sind, sollte man einige Fragen beantworten:

  • Was darf ich verändern? Die Frage ist wichtig für Besitzer von Eigentumswohnungen, Eingriffe in die Konstruktion des Gebäudes unterliegen der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft und die Forderungen von Brand- und Schallschutz sind einzuhalten
  • Was will ich auf jeden Fall erreichen? Anhaltspunkte findet man in der DIN 18040-2, sie werden in der Folge abgehandelt.
  • Wie stark greift die Änderung in Rohbau, Ausbau und Haustechnik (Heizung / Lüftung / Sanitär / Elektroinstallation) ein?
  • Was kostet es?
  • Wie lange dauert es? Hierbei gilt zu bedenken, in der Zeit ist die Wohnung eine Baustelle und nur unter erheblichem Verzicht auf Komfort zu nutzen?

 

Der Bestand
Um sich einen ersten Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen ist es nötig, das vorhandene Bad genauer zu betrachten. Hierbei ist zu bedenken, soll die Fläche vergrößert werden, so bedeutet der Umbau nicht nur einen erheblichen Eingriff in den Grundriss, sondern auch eine Verkleinerung des angrenzenden Raums.
Folgende Fragen sind individuell zu klären:

  • Hat das Bad ein Fenster oder ist es ein Dunkelbad? Der Umbau der zwei Typen unterscheidet sich im Wesentlichen in der Lüftung.
  • Wie erfolgt der Zugang? Seitlich vom Flur oder von dessen Stirnseite aus?
  • Wie breit ist die Türe und wie schlägt sie auf?
  • Wie breit ist der Flur vor dem Bad?
  • Welche Lösung wird angestrebt: Altersgerecht, barrierfrei oder rollstuhlgeeignet?
  • Worauf wird am meisten Wert gelegt? Z. B. bessere Beleuchtung, stärkere Heizung, Dusche anstelle Badewanne, Unterfahrbarkeit des Waschbeckens usf.
  • Was hat das Bad für einen Bodenaufbau?

 

Die Planung
Ein Blick in die DIN 18040-2 zeigt, was ein rollstuhlgeeignetes Bad erfüllen muss. Das ist im Wesentlichen:

  • Türe mit Mindestbreite 90 cm und verschließbar
  • Tür nach außen aufschlagend und im Notfall von außen zu öffnen
  • mechanische Entlüftung
  • Waschbecken unterfahrbar
  • Dusche schwellenlos
  • Temperaturbegrenzer an den Wasserzapfstellen
  • Badewanne nachrüstbar
  • WC in Höhe einstellbar
  • Haltegriffe bei WC / Dusche / Badwanne
  • Spiegel in Neigung veränderbar
  • Bodenbelag rutschfest
  • Verstärkte Heizleistung (erhöhter Wärmebedarf)
  • Elektroschalter 85 cm über dem Fußboden
  • Größere Bewegungsflächen

All diese Kriterien im Bestand zu erfüllen ist kostspielig, mitunter unmöglich und bezogen auf die eigenen Wünsche auch nicht erforderlich. Allerdings, je mehr Punkte /Kriterien man davon erfüllt desto einfacher wird das Benutzen im Alter und desto mehr steigt der Wert derr Wohnung. Natürlich ist immer das Gebäude als Ganzes im Auge zu behalten. Ein rollstuhlgeeignetes Bad im 1. Stock z. B. setzt einen entsprechend großen Aufzug voraus.

In der Folge sollen die wesentlichen Punkte und ihre Auswirkungen auf das Gebäude näher betrachtet werden. Im Hinblick auf das eigene Bad ist es empfehlenswert seine Vorstellungen mit einem Architekten durchzusprechen; er hat einen Blick fürs Detail z. B. ob die Bewegungsflächen ausreichen, und für die Funktion als Ganzes. Mit seinem Honorar übernimmt er die Haftung für die Richtigkeit. Der Architekt kann auch die Kosten beziffern und dadurch die Entscheidung erleichtern. Fachplaner von Herstellern dagegen sehen nur ihr Gewerk, die Auswirkungen auf das Gebäude werden – wenn überhaupt – in einem Nebensatz erwähnt.

 

Türe mit Mindestbreite 90 cm und verschließbar
Um mit einem Rollstuhl bequem und ohne sich die Knöchel aufzuschrammen durchfahren zu können sind 90 cm breite lichte Öffnungen nötig. Das Verbreitern einer Türe bedingt  – nach einer Überprüfung der Grundrisse von Bad und Flur sowie der Möblierung auf etwaige Konsequenzen – einen erheblichen Arbeitsaufwand. Im Wesentlichen ist es:

  • das erweitern der Rohbauöffnung mit Einbau eines Sturzes
  • setzen einer neuen Türe, bestehend aus Zarge und Blatt
  • ergänzen des Bodenbelags in Flur und Bad
  • umsetzen der Elektroschalter in Bad und Flur.
  • Beachten der Luftzufuhr bei einem mechanisch belüftet Bad.

 

Tür nach außen aufschlagend und im Notfall von außen zu öffnen
Eine Person kann  im Raum so unglücklich stürzen, dass sich die Türe nicht öffnen lässt. Das Ändern der Aufschlagrichtung, bedeutet ähnlich dem Verbreitern einer Türe einen dort beschriebenen Aufwand. Das anfängliche Umgewöhnen im Flur wird durch einen farblich abgesetzten Bodenbelag im Bereich der Türe erleichtert. Eine Alternative kann der Einbau einer Raumspartüre sein. Bei ihr hat das Blatt im Drittelspunkt ein Gelenk, dadurch steht das Blatt nur zum Teil in den Raum hinein.

 

Mechanische Entlüftung
Bei Dunkelbädern ist sie schon vorhanden, hier ist vielleicht die Steuerung zu modifizieren. Der Einbau in ein Bad mit Fenster setzt die Mitwirkung eines Fachplaners voraus. Zu untersuchen ist zum Einen die Abluft. Sie wird in einem Wickelfalzrohr durch die Deckenkonstruktion über dem Bad in den Raum darüber und dann über Dach geführt. Eine Alternative ist es die Entlüftung durch die Fassade zu leiten, hier gilt zu bedenken, die abgeführte Luft ist feucht und warm, im Winter wird es zu Kondensatbildung kommen. Zum Anderen ist das Nachströmen der Zuluft zu prüfen. Ein öffnen des Fensters scheidet wegen der großen Temperaturunterschiede aus, zudem verstößt es gegen den Gedanken einer „luftdichten“ weil energiesparende Hülle. Schlitz in der Türe sind die übliche Lösung. Wird das Gebäude gleichzeitig energetisch saniert wird man die Entlüftung in das ohnehin zu planende Lüftungskonzept einbinden.
Die Steuerung erfolgt über den Lichtschalter mit Nachlaufrelais und einem Zugschalter
Waschbecken unterfahrbar. Der Umbau ist einfach, jedoch muss der unter dem Becken hängende Siphon gegen ein Unterputz- oder Flachaufputzsiphon ausgetauscht werden, um die Unterfahrbarkeit zu ermöglichen.
Dusche schwellenlos. Die Forderung zu erfüllen verlangt – neben dem Abbruch der Badewanne – Eingriffe in Bodenbelag, Deckenkonstruktion und Sanitärinstallation. Die Hilfe eines Architekten ist angeraten. Es gibt mehrere Lösungen, die gebräuchlichen sind:

  • der Duschboden ist in der Ebene des Bodenbelags. Er ist mit einem 15 cm hohen Bord versehen, an einer Stelle ist der Bord niederer und bildet eine etwa 2 cm hohe Kante, von der eine Rampe in die Duschtasse führt
  • der Duschboden ist um 2 cm abgesenkt, um die Duschfläche herum führt eine höhengleiche Entwässerungsrinne.

In der Ableitung des Wassers liegt die größte Schwierigkeit. Der Gully benötigt je nach Produkt eine Mindestaufbauhöhe und die folgende Leitung ist – unsichtbar – mit Gefälle zum nächsten Fallrohr zu führen. Ohne eine Aussparung in der Decke ist das in wenigsten Fällen möglich. Je nach Lage der Dusche und Länge der Abwasserleitung ist das Einschalten eines Statikers sinnvoll.  Ein Alternative ist die Entwässerung durch die Decke zu führen und im Raum darunter zu verziehen

 

Temperaturbegrenzer an den Wasserzapfstellen
Damit soll ein Verbrühen vermieden werden, hier wird man den Heizungsinstallateur um einen Vorschlag bitten.

WC in Höhe einstellbar
Hat das Bad ein Stand WC, wird es auf ein Hänge WC umgerüstet. Dies kann in der Höhe mit geringem Aufwand verändert werden.
Bodenbelag rutschfest. Je rauer die Fliese, desto geringer ist die Gefahr des Ausrutschens. Bei der Rutschfestigkeit kann man sich an den Vorgaben der Berufsgenossenschaften orientieren, sie fordern in Bädern im öffentlichen Bereich R10; die Klassifikation ist jedem Fliesenleger vertraut. Allerdings, je rauer die Fliese, desto höher ist der Aufwand beim Reinigen. Ein, die Nutzung erleichterndes, Zubehör ist ein bodengleicher, tropfensammelnder Rost vor der Badewanne.

Verstärkte Heizleistung (erhöhter Wärmebedarf)
Jeder kennt das leichte Frösteln verbunden mit einer Gänsehaut wenn er aus der Badewanne steigt oder aus der Dusche kommt. Ein wohltemperiertes Bad ist kein Luxus sondern ein Grundbedürfnis. Gerade für ältere Menschen, die leichter zum frieren neigen wissen das schätzen. Die Erhöhung der Heizleistung ist von mehreren Faktoren abhängig, die der Fachmann gegeneinander abwägen muss.

Elektroschalter 85 cm über dem Fußboden
In der Höhe sind die Schalter vom Rollstuhl aus – auch von Kindern – einfach zu erreichen. Das Versetzen der Schalter macht nur Sinn, wenn es in der übrigen Wohnung konsequent durchgeführt wird bzw. zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden soll.

Erhöhen der Beleuchtung
Eine wesentliche Erleichterung beim Benutzen des Bads,  verbunden mit einer Erhöhung des Wohnwerts, kann mit einer Verstärkung der Beleuchtung erzielt werden. Vorteilhaft ist eine möglichst gleichmäßige indirekte Beleuchtung, die keine Schlagschatten wirft. So durch z. B. neben dem Spiegel zusätzlich installierte Leuchten, wie sie in Garderoben von Schauspielern üblich sind.
Die Leuchtmittel sollten ohne großen Aufwand auszutauschen sein.

Andere Arten zum Ausleuchten des Raums setzen sich bei Bädern des gehobenen Standards durch. Bei bodengleichen Duschen kann die Beleuchtung der Rinne nicht nur eine weitere Hilfe beim Benutzen sein, sondern auch den Raum optisch erheblich aufwerten. Der Einbau Lichtfliesen ermöglicht als Einzelfliesen oder umlaufendes Fries eine diffuse Beleuchtung des Raums. Die Beleuchtung erfolgt jeweils mit LED Leuchten. Sie werden mit 24 Volt betrieben, die Lage des Transformators ist so zu wählen, dass er mit Luft umspült wird. Bei Lichtrinne und -fliese ist eine enge Zusammenarbeit von Fliesenleger und Elektriker nötig.